Hessen unterstützt Erstkäufer gleich doppelt: mit dem Hessen-Darlehen der WIBank für Haushalte mit kleinem und mittlerem Einkommen und mit dem Hessengeld, einem Zuschuss zur Grunderwerbsteuer für alle, die zum ersten Mal Wohneigentum erwerben. Hier erfährst du, wie beide Programme funktionieren und wie du sie kombinierst.
Zuletzt aktualisiert: 9. Oktober 2026 · Redaktion Eigenheim 2.0
Kurz erklärt
Das Hessen-Darlehen der WIBank fördert den ersten Kauf oder Bau von selbst genutztem Wohneigentum mit einem zinsverbilligten Darlehen von bis zu 50 Prozent der Gesamtkosten, höchstens 200.000 Euro, bei Neubau im Effizienzhaus-40-Standard bis 220.000 Euro. Der Zins ist für 20 Jahre festgeschrieben. Das Hessengeld zahlt Erstkäufern bis zu 10.000 Euro pro Person plus 5.000 Euro pro Kind, begrenzt auf die gezahlte Grunderwerbsteuer.

Das Hessen-Darlehen im Überblick
| Baustein | Regelung |
|---|---|
| Zielgruppe | Privatpersonen beim ersten Erwerb von selbst genutztem Wohneigentum |
| Objekte | Bestandserwerb und Neubau, höchstens zwei Wohneinheiten |
| Darlehen | bis 50 % der Gesamtkosten, höchstens 200.000 €, bei Neubau mit Effizienzhaus 40 bis 220.000 € |
| Zinsbindung | 20 Jahre, zinsverbilligt |
| Tilgung | 3 % pro Jahr, ein tilgungsfreies Jahr, Sondertilgungen jederzeit ohne Entschädigung |
| Eigenkapital | mindestens 10 % der Gesamtkosten |
| Bearbeitungsentgelt | einmalig 1 % des Darlehens |
Das Darlehen wird nachrangig im Grundbuch abgesichert. Beim Neubau richtet sich die Höhe nach dem örtlichen Bodenpreisniveau. Wer ein Bestandshaus kauft, muss es in gutem Zustand übernehmen oder mit angemessenem Aufwand in einen guten Zustand bringen. Bei größeren Sanierungen prüft die WIBank vorab technisch. Die Konditionen beruhen auf der Förderrichtlinie und Übersichten mit Stand 2026.
Einkommensgrenzen und weitere Bedingungen
Das Hessen-Darlehen richtet sich an Haushalte mit kleinem und mittlerem Einkommen. Laut einer Übersicht mit Stand September 2026 liegen die Grenzen bei rund 30.565 Euro für einen Einpersonenhaushalt und 51.405 Euro für zwei Personen, jeweils zuzüglich Zuschlägen für weitere Personen und Kinder. Es handelt sich um ein nach Landesrecht berechnetes Einkommen, nicht um das Bruttogehalt. Haushalte mit zwei oder mehr Kindern oder besonderem Bedarf werden bevorzugt.
- Vermögen über 50 % der Gesamtkosten schließt die Förderung aus.
- Die monatliche Belastung aus der Finanzierung muss mindestens 400 Euro betragen.
- In der Regel darf noch kein geeignetes Wohneigentum vorhanden sein.
- Die Immobilie muss während der Zinsverbilligung selbst bewohnt werden.
Das Hessengeld
Das Hessengeld ist ein Zuschuss für Menschen, die zum ersten Mal eine Wohnimmobilie in Hessen kaufen und selbst bewohnen. Es soll die Grunderwerbsteuer ausgleichen, die in Hessen 6 Prozent des Kaufpreises beträgt. Gefördert werden Kaufverträge ab dem 1. März 2024.
| Baustein | Regelung |
|---|---|
| Zuschuss pro einziehendem Erwerber | 10.000 €, bei zwei Käufern höchstens 20.000 € |
| Zuschuss pro Kind unter 18, das mit einzieht | 5.000 € |
| Obergrenze | die tatsächlich gezahlte Grunderwerbsteuer |
| Auszahlung | in zehn Jahresraten |
| Antrag | digital über das Kundenportal der WIBank, nach Zahlung der Grunderwerbsteuer |
Rechenbeispiel: Paar mit zwei Kindern kauft für 350.000 Euro
- Grunderwerbsteuer 6 %: 21.000 €
- Hessengeld rechnerisch: 2 × 10.000 € + 2 × 5.000 € = 30.000 €
- Begrenzt auf die gezahlte Steuer: 21.000 €, ausgezahlt in zehn Jahresraten von je 2.100 €
Hessen-Darlehen und Hessengeld kombinieren
Beide Programme lassen sich kombinieren. Das Hessen-Darlehen senkt die laufende Belastung, das Hessengeld gleicht über die Jahre die Grunderwerbsteuer aus. Für das Hessengeld gibt es keine Einkommensgrenze, es kommt also auch Haushalten zugute, die für das Hessen-Darlehen zu viel verdienen.
So läuft der Antrag
- Hessen-Darlehen beantragen: Über die Wohnungsbauförderstelle der Stadt oder des Landkreises oder digital über das Kundenportal der WIBank.
- Vor dem Kaufvertrag: Der notarielle Kaufvertrag darf erst nach Antragstellung oder Bewilligung folgen – oder er braucht ein Rücktrittsrecht für den Fall, dass die Förderung nicht kommt. Beim Neubau darf vor der Bewilligung nicht begonnen werden.
- Kauf abschließen: Kaufvertrag, Grunderwerbsteuer zahlen, Einzug.
- Hessengeld beantragen: Nach Zahlung der Grunderwerbsteuer digital bei der WIBank, mit Kaufvertrag, Ausweis, Meldebescheinigung und gegebenenfalls Geburtsurkunden.
Diese Unterlagen brauchst du
- Einkommensnachweise aller Haushaltsmitglieder, etwa Gehaltsabrechnungen, Steuerbescheide oder Rentenbescheide
- Nachweise über Kinder, Schwangerschaft oder Schwerbehinderung
- Kostenaufstellung: Kaufpreis oder Baukosten, Grundstück, Nebenkosten
- Nachweise über Eigenkapital und geplante Eigenleistung
- Unterlagen zum Objekt: Exposé, Grundriss, Wohnflächenberechnung, bei Neubau Baubeschreibung und Energienachweis
- Finanzierungsplan mit Bankdarlehen und weiteren Förderungen
- für das Hessengeld: Meldebescheinigung über den Einzug und Nachweis der gezahlten Grunderwerbsteuer
Die zuständige Stelle nennt dir die genauen Formulare. Vollständige Unterlagen beschleunigen die Bearbeitung erheblich.
Kombination mit KfW und Bankdarlehen
Die Landesförderung in Hessen deckt einen Teil der Kosten. Den Rest finanzierst du mit Eigenkapital, einem Bankdarlehen und gegebenenfalls KfW-Programmen wie „Wohneigentum für Familien“ oder „Jung kauft Alt“. Ob und wie sich die Programme kombinieren lassen, hängt von den jeweiligen Bedingungen ab – einige Landesprogramme schließen andere öffentliche Förderungen aus, KfW-Kredite sind aber häufig erlaubt. Einen Überblick über die KfW-Programme findest du im Beitrag KfW-Förderung fürs Eigenheim.
Häufige Fehler
- Kaufvertrag vor dem Antrag ohne Rücktrittsrecht unterschrieben
- Hessengeld vergessen, weil man es für einkommensabhängig hielt
- Eigenkapital unter 10 Prozent
- Sanierungsbedarf beim Bestandshaus unterschätzt
Praxisfall: Familie kauft ein Reihenhaus
Eine Familie mit zwei Kindern kauft in Nordhessen ein gebrauchtes Reihenhaus für 300.000 Euro plus Nebenkosten. Ihr Einkommen liegt innerhalb der Grenzen. Das Hessen-Darlehen deckt bis zu 50 Prozent der Gesamtkosten ab, der Rest kommt aus Eigenkapital und einem Bankdarlehen. Nach dem Kauf beantragt die Familie zusätzlich das Hessengeld: Die Grunderwerbsteuer von 18.000 Euro wird ihr über zehn Jahre vollständig erstattet.
Gut zu wissen: Einkommensgrenzen und Konditionen werden regelmäßig angepasst. Wir aktualisieren diesen Beitrag, sobald neue Werte veröffentlicht sind, und vermerken die Änderung im Kasten unten.
Wie Eigenheim 2.0 dich unterstützt
Förderprogramme in Hessen sind attraktiv, aber die Bedingungen sind komplex: Einkommensgrenzen, Eigenkapital, Reihenfolge der Verträge. Mit unseren Rechnern kannst du vorab prüfen, welcher Kaufpreis zu deinem Budget passt und welche Kosten insgesamt auf dich zukommen. Wenn du die Förderung konkret nutzen möchtest, leiten wir deine Anfrage an einen Spezialisten weiter, der Landesdarlehen, KfW-Programme und Bankdarlehen zu einer passenden Finanzierung zusammenstellt – kostenlos und unverbindlich für dich.
Der richtige Zeitplan
Weil die Förderung vor dem Kauf- oder Bauvertrag beantragt werden muss, lohnt sich ein klarer Zeitplan. Starte mit der Prüfung der Einkommensgrenzen und einer ersten Finanzierungsberatung, sobald du ernsthaft suchst. Wenn du ein Objekt gefunden hast, reichst du den Förderantrag ein und vereinbarst parallel das Bankdarlehen. Erst wenn der Antrag eingegangen ist und die zuständige Stelle grünes Licht für die nächsten Schritte gibt, folgt der Notartermin. Verkäufer reagieren oft verständnisvoll, wenn man erklärt, dass eine Förderung beantragt wird – sprich das Thema früh an.
Für wen sich die Förderung lohnt
Das Hessen-Darlehen lohnt sich vor allem für Familien mit kleinem und mittlerem Einkommen, die zum ersten Mal kaufen oder bauen. Die lange Zinsbindung über 20 Jahre bringt Planungssicherheit, und die Möglichkeit, jederzeit kostenlos sondertilgen zu können, ist bei Förderdarlehen selten. Das Hessengeld lohnt sich für praktisch alle Ersterwerber in Hessen, weil es keine Einkommensgrenze hat. Gerade bei der vergleichsweise hohen Grunderwerbsteuer von 6 Prozent macht es einen spürbaren Unterschied.
Tipp: Auch wer für das Hessen-Darlehen zu viel verdient, sollte das Hessengeld auf keinen Fall vergessen. Der Antrag ist schnell gestellt und bringt über zehn Jahre einen spürbaren Betrag zurück.
Was sich zuletzt geändert hat
- 16.06.2026: Neue Förderrichtlinie für das Hessen-Darlehen laut Übersicht.
- 01.03.2024: Start des Hessengelds für Kaufverträge ab diesem Datum.
Begriffe kurz erklärt
- WIBank
- Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen, die Förderbank des Landes.
- Hessengeld
- Zuschuss zur Grunderwerbsteuer für Ersterwerber in Hessen.
- Nachrangiges Darlehen
- Darlehen, das im Grundbuch hinter dem Bankdarlehen steht.
- Grunderwerbsteuer
- Steuer beim Kauf eines Grundstücks oder einer Immobilie, in Hessen 6 Prozent.
Das Wichtigste in Kürze
- Hessen-Darlehen bis 200.000 Euro, bei Effizienzhaus-40-Neubau bis 220.000 Euro.
- 20 Jahre Zinsbindung, 3 Prozent Tilgung, Sondertilgung jederzeit.
- Hessengeld: 10.000 Euro pro Käufer plus 5.000 Euro pro Kind, höchstens die Grunderwerbsteuer.
- Antrag für das Darlehen vor dem Kaufvertrag, Hessengeld nach Zahlung der Steuer.
Häufige Fragen
Bekomme ich Hessengeld, wenn ich gut verdiene?
Ja, für das Hessengeld gibt es keine Einkommensgrenze. Voraussetzung ist der erstmalige Erwerb zur Selbstnutzung.
Gilt das Hessen-Darlehen auch für Neubauten?
Ja, mit Höchstbeträgen nach Bodenpreisniveau und bis 220.000 Euro beim Effizienzhaus 40.
Kann ich Sondertilgungen leisten?
Ja, jederzeit ohne Vorfälligkeitsentschädigung.
Wann wird das Hessengeld ausgezahlt?
In zehn Jahresraten nach Antrag und Prüfung.
Darf ich schon Wohneigentum haben?
In der Regel nicht. Beide Programme richten sich an Ersterwerber.
Wo stelle ich den Antrag?
Bei der Wohnungsbauförderstelle vor Ort oder im Kundenportal der WIBank.
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Ein Spezialist prüft Hessen-Darlehen, Hessengeld und KfW und stellt die passende Finanzierung zusammen.
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